Mathematische Institute
zur Behandlung
der Rechenschwäche / Dyskalkulie

Titel-Grafik: Oberteil eines bunten Würfels

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Mathematische Institute zur Behandlung der Rechenschwäche / Dyskalkulie, München – Augsburg – Regensburg – Rosenheim

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Mathematikunterricht und Rechenschwäche

Blindes Tasten in einer fremden Sphäre

Nur ein individuelles Profil kann die Ursachen offenlegen

Den einen Schüler fällt die Mathematik leicht, weil ihrer Natur nach logisch und aufbauend. Andere hingegen haben zu kämpfen, zu üben, sich die Zusammenhänge immer wieder klarzumachen – aus demselben Grund. Soweit normales Schülerlos bezüglich Mathematikunterricht.

Eine Rechenschwäche hingegen ist mit anderer Elle zu messen. Der Wille eines betroffenen Kindes zu schulischen Leistungen in diesem Fach paart sich mit grundlegender Hilflosigkeit in der Praxis. Ein solche Situation ist vertrackt, weil sie mit allem Bemühen, Pauken und Nachhilfeunterstützung in der Regel kaum aufhebbar ist. Kinder mit Rechenschwäche wissen nicht, was sie eigentlich können und was nicht. Wohl aber merken sie über die Jahre, dass immer sie Mathe, also alles, nicht können. Dazu kommen Beobachtungen, die Eltern Rätsel aufgeben.

Da in der Regel eine Rechenschwäche von Eltern und Lehrern nur schwer erkannt werden kann, die Diagnose oftmals mit dem Befund „mangelnde Leistung“ beendet statt begonnen wird, werden allzu häufig beobachtbare Wirkungen für die Ursache des Leistungsdefizits gehalten. Unterhalb des Verdikts mangelnder Intelligenz erscheint das Kind als zu faul, zu unkonzentriert, zu empfindlich, schusselig oder vergesslich, als willensschwach und schlampig.

Was hier als defizitäre Verhaltensweise beim und zum Mathematiktreiben erscheint, ist schon die - möglicherweise fächerübergreifende – Folge einer Rechenschwäche: Die Konzentration weiß nicht, worauf sie sich genau richten soll, die „Faulheit“ rechnet mit dem sicheren Fehlschlag jedes fleißigen Bemühens, die „Empfindlichkeit“ wehrt sich gegen weitere Misserfolgserlebnisse.

Es wundert also nicht, wenn solche Kinder Angst vor diesem Schulfach haben, wenn neurotische Tendenzen und depressive Verstimmungen folgen. Je nachdem, wie sich das Kind auf seine wohl gewusste oder gespürte, aber nicht annähernd begriffene Teilleistungsschwäche einstellt, eröffnet sich von psychosomatischen Beschwerden über Aggressionen und Clownerien eine breite Palette möglicher psychischer Reaktionen. Ihnen gemeinsam ist ihr Verhältnis zur eigentlichen Ursache. Sie erschweren deren Behebung, weil sich die Beschwerden verlagern.

Suche nach Analogien

Beurteilungen schulischer Leistungen im Fach Mathematik haben – sobald sie sich über das Konstatieren einer Note hinaus, quasi hinter die Kulissen blickend, mit den mathematischen Lernleistungen befassen wollen – mit einer Schwierigkeit zu kämpfen: Mathematische Defizite müssen für ihre erfolgreiche Behebung per Übung und Nachhilfe lokalisierbar sein. Soweit normal. Was aber, wenn dies nicht mehr gelingen kann; wenn sich spezieller Schulstoff und die Schwierigkeit mit ihm nicht mehr synchron verhalten? Oft misslingt der generelle Aufbau des mathematischen Denkens. Dessen Entwicklung ist ein sehr komplizierter Prozess, der eine Vielzahl von Störungsmöglichkeiten beinhaltet. Zudem folgt der Aufbau des Zahlen- und Operationsbegriffs einer strengen Systematik, so dass Nichtverstehen oder Unkenntnis eines bestimmten grundlegenden Gebiets dazu führt, dass auch der nachfolgende Stoff unverstanden bleibt und gleichwohl wegen seines aufbauenden Charakters permanent zu praktizieren ist. Teilweise wirkliche, in der Regel scheinbare Kompensationsmöglichkeiten bestehen für den Schüler im Auswendiglernen von eigentlich zu begreifenden , für ihn allerdings sinnlosem Stoff, im Memorieren von ganzen Gleichungen, die nie verstanden wurden, in rein mechanisierten Lösungsversuchen bei Sachaufgaben, denen mit dem Fischen nach Merkmalen der Analogie zu Halbverstandenem von früher zu Leibe gerückt wird statt mit einer Durchdringung ihres logischen Gehalts.

Typologie der Rechenschwäche

Beeinträchtigung der rechnerischen Abstraktionsfähigkeit.

Addieren, Subtrahieren usw. geht nur, wenn die Aufgaben handelnd im Umgang mit konkretem Anschauungsmaterial gelöst werden kann (Finger abzählen), andernfalls droht Orientierungslosigkeit

Mangelndes Verständnis der Grundregeln des Rechnens

Die Grundoperationen werden mechanisch vollzogen, Gesetze als Gebote begriffen; mathematische Symbole werden vertauscht, Operationen verwechselt.

Zahl, Ziffer, Stellenwert und Stellenwertsystem sind nicht durchschaut, d.h. alle Zehnerübergänge und Umrechnungsarten werden als reine Gedächtnisleistung vollzogen. Damit verbunden mag es Schwierigkeiten im Verstehen der Mengenkonstanz geben. Die sogenannte Serialschwäche benennt die Schwierigkeit bzw. Unmöglichkeit, die Reihenfolge von Schritten für die Lösung verschiedener Rechenaufgaben einzuhalten.

Störungen beim Verständnis der mathematischen Beziehungen: z.B. quantitative Beziehungen in der Realität (als Darstellung in einer Text- oder Sachaufgabe) werden entweder ihrer logischen Seite nach nicht erfasst oder können mathematisch nicht dargestellt werden, anstehende Operationen werden mit ihrem Gegenteil verwechselt.

Schwierigkeiten im Erfassen der Unterschiede von Größe, Form, Menge, Länge usw. sowie ihr abstrakter Größenvergleich. Verwechslung des Kardinal- und Ordinalaspektes (Anzahl und Reihenfolge) beim Zahlenaufbau.

Diagnose und Therapie

All dies sind Formen von Rechenschwäche und können dazu führen, dass das gesamte erlernte Fundament der Grundschulmathematik beim rechenschwachen Kind ins Schwimmen gerät, d. h. die Grundlage nicht trägt, auf der der aktuelle Stoff aufbauen will. Folgeerscheinungen einer solchen Rechenschwäche können sein: Nervosität, motorische Unruhe, Unkonzentriertheit, schnelle Ermüdung, Stimmungslabilität und andere Erscheinungen. Deren Ausmaß steht im Zusammenhang mit den kindlichen Erfahrungen von Dauerversagern. Möglichst frühzeitiges Erkennen wäre also wünschenswert.

Solche verborgenen oder verlagerten Defizite zu erkennen und ihnen geeignet zu Leibe zu rücken, erfordert eine spezielle Art diagnostischer Tätigkeit. Mit einem geeigneten Test muss es gelingen, das mathematische Verständnis des Probanden als Ganzes zu erfassen und auf dieser Grundlage ein qualitatives individuelles Fehlerprofil zu erstellen. Die zu analysierenden Fehlertypologien geben in aller Regel Auskunft darüber, was ein Schüler wie und wann in en falschen Hals bekommen, sich zurechtgereimt oder nie kapiert hat.

Ein solcher Teil bildet den Ausgangspunkt für eine zielgenaue Mathematiktherapie. Bereiche des mathematischen Gebäudes können so – isoliert von einer Gemengelage mit anderen ebenso wie getrennt vom aktuellen Schulstoff – neu aufgebaut werden. Dies freilich in einer gänzlich anderen Form, hat doch in jenen Fällen die klassische Schulsituation des Lernens aus welchen Gründen auch immer versagt. Nur wenn die Modifikationen und Überlebensstrategien des Schülers bezüglich des mathematischen Regelwerks offengelegt sind, ist ein kritischer, mit den (falschen) Vorstellungen sich auseinandersetzender Neuaufbau möglich. Dann allerdings so gut wie immer.

Autor: Alexander von Schwerin
(aus der Süddeutschen Zeitung vom 15.02.1990)


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Stand: 2016-11-20