Mathematische Institute
zur Behandlung
der Rechenschwäche / Dyskalkulie

Titel-Grafik: Oberteil eines bunten Würfels

München
Augsburg
Regensburg
Rosenheim

Mathematische Institute zur Behandlung der Rechenschwäche / Dyskalkulie, München – Augsburg – Regensburg – Rosenheim

Themen

Hilfen für Eltern

Tipps für das Üben
mit rechenschwachen Kindern

Liebe Eltern,
um dysfunktionales Üben zu vermeiden sowie elterliche Geduld und kindliche Motivation nicht vorschnell zu erschöpfen, ist es unerlässlich folgende Gesichtspunkte zu beherzigen:

Verstärken Sie nicht die Wirkung einer schlechten Note. Ihr Kind steht momentan in Mathe der Sachlage nach außer Konkurrenz, auch wenn diese in Form der Noten und der Versetzungsfragen weitergeht. Außerdem wissen Sie mittlerweile über die eigentliche Problemlage viel genauer Bescheid als eine Note an Auskunft hergeben kann.

Üben Sie in (vorher verabredeten) für das Kind überschaubaren Zeitabschnitten und stressfrei. Das Kind muss ein Ende der Unannehmlichkeit absehen können. (15 bis 20 Min. bei eingeschränkter Lernwilligkeit oder mangelhaftem Konzentrationsvermögen.)

Vergewissern Sie sich vor dem Üben des Defizits beim Kind. Sie müssen ein klares Bild davon haben, was an dem jeweiligen Stoff nicht oder falsch verstanden wurde. Gezieltes Vorgehen kann so manche Stunde Üben im beiderseitigen Interesse ersparen.

Verschaffen Sie sich einen Eindruck von der Art und Weise der kindlichen Denkvorgänge im Umgang mit der Mathematik bzw. dem Thema, das Sie sich gerade vornehmen.

Geben Sie u.U. einen Überblick über das Thema (wozu man das jeweilige Verfahren benötigt, und was evtl. schwierig sein könnte).

Steigen Sie beim Üben (z.B. Addition zweier zweistelligen Summanden als Kopfrechnen) unbedingt unterhalb der zu erwartenden Schwierigkeit ein und nicht gleich mit ihr (also da, wo sich das Kind noch sicher fühlt, hier z.B.: Addition eines zweistelligen und eines einstelligen Summanden). Sie erzeugen sonst sofortige Mut- und Lustlosigkeit.

Achten Sie beim Erklären darauf, dass Sie nicht gleich den Inhalt des zu Erklärenden mit der praktischen Art seiner Erledigung vermengen.

Weil Kinder sehr ergebnisorientiert sind, lenkt das Ausrechnen manchmal vom Verstehen des Sachverhaltes ab. In diesen Fällen empfiehlt es sich, auf das Ausrechnen zu verzichten.

Hüten Sie sich vor Eselsbrücken gerade bei unverstandenen Gebieten. Eine Eselsbrücke schafft Unverständnis nicht ab, sondern fördert vielmehr leeres schematisches Denken und Ersatzleistungen per Gedächtnis statt Begreifen.

Lösen Sie sich davon, auf Ergebnisse lediglich mit richtig und falsch zu reagieren, denn a) sind oftmals auch richtige Ergebnisse aus falschen Gründen entstanden, und b) haben Sie mit der Nennung einer richtigen Lösung nichts erklärt, sondern nur Ihre Autorität ausgespielt. Ziel ist ja, dass das Kind selbst entscheiden kann, ob und warum seine Lösung richtig ist.

Versuchen Sie statt dessen, die Antwort umzuwandeln in eine Problemstellung, in der das Kind mit seiner (Un)Kenntnis zu argumentieren versucht.

Bestehen Sie auf dem Ausformulieren von Problemstellungen oder Antworten und lassen Sie sich nicht mit Wortbrocken abspeisen. Oftmals macht erst der Verbalisierungsversuch das Dumpfe des Gedankens klar.

Das Ausformulieren soll andererseits nicht ritualisiert werden. Nicht korrektes grammatikalisch einwandfreies Hochdeutsch ist gefragt. Auch Formalisierungen des Formulierens lenken nur ab. Das Kind soll in seiner Sprache den Sachverhalt kenntlich machen. Alles andere lenkt von der Konzentration aufs Eigentliche ab.

Achten Sie auf Ihre sprachlichen Formulierungen, wenn Sie erklären. Wechseln Sie diese. Oftmals versteht ein Kind Worte nicht oder anders, weil sie mit etwas abweichenden Bedeutungen versehen sind. Es fragt aber nicht nach, weil es meint, alles verstehen zu müssen.

Versuchen Sie, sich bezüglich Mimik und Verhalten in Bezug auf richtige oder falsche Antworten möglichst nicht ausrechenbar zu machen. Denn oftmals haben Kinder zwei oder mehrere für sie mögliche Antworten parat, lauern also auf eine eindeutig interpretierbare Reaktion Ihrerseits und bringen die zweitbeste Lösung an, indem sie so tun, als wäre ihnen ein Flüchtigkeitsfehler unterlaufen.

Ebenso sollten Sie Übungsmaterial zum Teil unberechenbar machen, um zu vermeiden, dass das Kind statt zu sortieren nur mit Schemata um sich wirft.

Grundsätzlich gilt eine richtige Lösung erst als richtig, wenn das Kind gute Gründe für seinen Rechenweg anzuführen weiß.

In der Regel denken die Kinder etwas, auch wenn das Resultat nicht danach aussieht. Wenn möglich: teilen Sie dem Kind mit, was und wie es gerade gedacht hat. Das macht es ihm leichter, sich zu ordnen. Noch besser: Sie lassen sich mitteilen...

Verbalisieren Sie zwischen den Übungen und nach dem Üben noch einmal klar und unterscheidbar, was geübt wurde, was das Wesentliche daran war und was falsch lief. Ein rechenschwaches Kind verfügt selbst i.d.R. nicht über die notwendige Trennschärfe.

Schimpfen Sie nicht über mangelnden Willen, wenn es nicht klappt. Oft will das Kind, kann aber nicht, bzw. weiß nicht, was es machen soll.

Und wenn es wirklich am Willen mangelt, taugt dies als Vorwurf trotzdem nichts. Es gibt nun mal schönere Dinge als Mathe pauken. Also nehmen Sie den Unwillen als Tatbestand zur Kenntnis und versuchen, Gegenangebote zu machen. Denken unter einer Schimpfkanonade kann nicht funktionieren.

Das gleiche gilt für „mangelnde“ Konzentration. Wenn das mathematische Fundament fehlt, weiß die Konzentration vielleicht nicht, worauf sie sich richten soll. Handelt es sich um grundsätzliche Konzentrationsschwierigkeiten, bedenken Sie: Konzentration lässt sich auch nur beschränkt erzwingen. Gehen Sie zu kleineren Übungseinheiten über.

Vergessen Sie nicht: Ein rechenschwaches Kind verausgabt wesentlich mehr Energie und Konzentration als ein Kind, das die Dinge einfach beherrscht. Es sieht mehr in Frage kommende Möglichkeiten, hat umständlichere Rechenwege, weiß nicht genau, was schon erledigt wurde und was nicht usw. Es muss oft mühsam (hinauf- und herunter) zählen.

Es ist letztlich besser, Lob und Tadel aus der Sache heraus und an ihr zu formulieren statt leeren Gestus zu praktizieren. Oft läßt sich das Lob für richtige Lösungen mit der Zusammenfassung des Grundes kombinieren.

Ebenso empfiehlt es sich, von der Dokumentation persönlicher Enttäuschung, Betroffenheit und sonstigen moralischen Tiefschlägen abzusehen. Die psychische Reaktion eines Kindes, welches gerade nicht enttäuschen will, aber muß, kann sehr zweischneidig sein.

In diesem Sinne ist es auch ratsam, entsprechend „vernichtende“ Gespräche mit anderen (Lehrern, Therapeuten usw.) über das Kind in dessen Anwesenheit zu unterlassen. Sich schämen wirkt nicht motivierend.

Achten Sie darauf, dass das Kind nicht mangelnde Leistung in Mathe heimlich, still und leise mit mangelnder Intelligenz gleichsetzt, weil a) dies nicht stimmt und b) damit jeder Grund, Defizite zu beseitigen, entfällt, weil eh sinnlos und c) eine Orientierung am eigenen Misserfolg in Gang gesetzt wird.


Die Internet-Adresse dieses Textes lautet:
http://www.Rechenschwaeche.de/Hilfen_fuer_Eltern/Hilfen_fuer_Eltern_Ueben.html

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Wir behandeln Rechenschwäche bzw. Dyskalkulie (auch „Arithmasthenie“ genannt) in München, Augsburg, Regensburg, Rosenheim und jeweiliger Umgebung seit 1989.

So sind wir erreichbar: im Institut in der Brienner Straße 48, 80333 München, sowie an allen Therapieorten unter Tel. 0180/3001699 (9 Ct/min) oder unter Tel. 089/5233142, Fax 089/5234283, per E-Mail an „Institut[at]Rechenschwaeche.de“.

Das Institut ist in Bayern in vielen Orten vertreten, u.a. in Aubing, Augsburg, Benediktbeuern, Dachau, Herrsching, Holzkirchen, Kirchheim-Heimstetten, Landsberg, München, Puchheim, Regensburg, Rosenheim, Schondorf, Solln, Starnberg, Unterhaching und Unterschleißheim.

Stand: 2016-11-20